
Schummrige Lichtungen, wehleidige Blicke, gehauchte Liebesgeständnisse, dazu ein bisschen blutarme Action und dramatische Musik: Während dieses Rezept beim ersten Teil der Sülzbuchreihe „Twilight“ ganz gut funktionierte und eine nette Schmonzette für Heranwachsende herauskam, wird es beim Nachfolger „New Moon“ bis zur absoluten Würdelosigkeit ausgewalzt.
Dass ein anständiger Spannungsbogen oder gar adäquate Dialoge keine Kritikpunkte sind und die Sinnfreiheit weit größere Ausmaße annehmen muss, um solch ein vernichtendes Urteil zu ernten, ist selbstverständlich. Die Story ist schnell erzählt: Eremitin Bella ist noch immer unsterblich in Vampir Edward verliebt, welcher sich jedoch bereits in den ersten 30 Minuten des Films aus dem Staub macht, rein zu ihrem Schutz versteht sich, was wiederum Werwolf Jacob auf den Plan ruft, der sich nun seinerseits des verwirrten Mädchens annimmt. Keine Frage, dass Edward irgendwann wieder auftaucht, wodurch wir es, wie der universitär geschulte Verstand sofort bemerkt, mit einer klassischen Dreiecksgeschichte zu tun haben.
Ob Edward in Zeitlupe und natürlich latent glitzernd vor seinem Volvo aufmarschiert, Jacob aus unerfindlichen Gründen sein T-Shirt über den Kopf zieht, um seinen steroidgefütterten Astralkörper zu präsentieren oder Bella mit ihrem Liebsten händchenhaltend in einer Art Heidi-und-Peter-Szene durch den morgendlichen Wald springt: Die absurden Szenen nehmen kein Ende, eine Tatsache, die auch seufzende Halbwüchsige nicht ganz übersehen können.
Hinzu kommt, dass nicht nur Details, sondern wesentliche Handlungselemente ohne Kenntnis der Buchvorlage schwer begreiflich sind. Könnte die Kenntnis der Hauptpersonen aus Teil 1 vielleicht noch vorausgesetzt werden, kommen doch rund um die zahlreichen Nebencharaktere erhebliche Verständnisprobleme auf.
Dies alles wäre extrem zermürbend, ja geradezu unerträglich, wäre da nicht der Werwolf alias Taylor Lautner, ironischerweise der einzige, der auf gewisse Weise menschlich wirkt. Auch bei Regen läuft dieser ansehnliche 17-Jährige fast hüllenlos durch die Wälder, weckt Gefühle leicht pädophiler Art und strahlt dabei eine Lässigkeit aus, an der es dem hühnerbrüstigen Vampir Robert Pattinson mit seiner weißgetünchten Leidensmiene völlig mangelt.
Ein weiterer Pluspunkt des Films ist der düstere, aber durchaus abwechslungsreiche Soundtrack, der Alternative-Größen wie Muse, die Editors oder Death Cab for Cutie mit unbekannteren Künstlern vereint.
Genügend Gründe also, trotz allem auf Teil 3 zu warten, der schon in einem halben Jahr in die Kinos kommen soll.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen