Mittwoch, 20. Januar 2010

In meinem Himmel

Herr der Ringe-Visionär Peter Jackson wagt sich nun an tragische Stoffe und mutet dem Zuschauer die Geschichte des ermordeten Mädchens Susie zu, welches „von oben herab“ mitansehen muss, wie Eltern und Geschwister an seinem Tod zu zerbrechen drohen. Von einem Ort aus, der zwischen Himmel und Erde liegt, lernt Susie loszulassen und ihre Machtlosigkeit auf die Geschehnisse zu akzeptieren, während sich ihr gehetzter Vater (Marc Wahlberg mit wallender Hippiemähne) auf der Suche nach dem Mörder immer weiter von der restlichen Familie entfernt. Einblicke in das Haus des Täters sorgen für Gänsehautmomente der negativen Art und lassen menschliche Abgründe erahnen.

Peter Jackson schafft es, den Geist der Romanvorlage einzufangen und der Verfilmung trotzdem seinen Stempel aufzudrücken. Misst der Roman dem Zwischenhimmel als Ort keine große Bedeutung bei, erschlägt er hier als bunt animierte, sich ständig wandelnde Landschaft, in der Susie von einer (Alp-) Traumvision in die nächste stolpert.

Wirkliche Spannung kommt leider erst gegen Ende auf und ist nur demjenigen vergönnt, der sich bis dahin tapfer durch das ständig wachsende Leid gequält hat. Eher ein Film für diskussionsbedürftige Religionslehrer und nicht zu Entspannungszwecken geeignet.

Sensible Geister sollten Taschentücher bereithalten und sei es, um sich aus Angst dahinter zu verstecken.

Alicia Keys- The Element of Freedom

Dieses Album wächst..(über sich hinaus)


Platten, die nach mehrmaligem Hören oder gar mehreren Tagen erst ihre wahre Natur offenbaren, haben den eindeutigen Vorteil der darauf folgenden Genussverlängerung, vorrausgesetzt, das Interesse reicht lange genug, um diese zu erlangen.

Letztere Einschränkung ist oftmals Grund genug für weniger etablierte Künstler, beim 4/4- Takt und C- Dur zu verweilen. Das vollständige Alben in A- Moll aber ebenfalls Hit- Potential besitzen können, hat Alicia Keys in der Vergangenheit bereits bewiesen. Interessiert an stetigem künstlerischenWachstum, präsentiert sie auf ihrem aktuellen Album „The Element of Freedom“ nun Melodien, die weniger schnell ins Ohr gehen, dafür aber länger darin bleiben, haben sie sich erst ihren Weg gebahnt. Natürlich finden sich auch hier die gewohnt starke Basedrum oder der Keys’sche Einleitungssatz „Let’s do it like this“, die auch die vorangegangenen Werke rahmten, dennoch findet sich eine unerwartete Tiefe, die man wohl gemeinhin musikalische Weiterentwicklung nennt.

Alicia Keys schreibt und singt die Art von Musik, die man hört, wenn man sagt „Ich höre Musik“ , denn sie reicht aus, um nichts anderes zu tun, als Musik zu hören. Das sind keine kalkbrennerschen Minimaltöne, die ins Gehirn, aber nicht ins Herz gehen, sondern Laute, die, so kitschig es klingen mag, die Seele be- oder doch zumindest anschwingen, Herzen in Aufruhr bringen, Klänge, die Stimmungen tragen und übertragen, wenn man es zulässt. Zugegeben, auch Alicia Keys ist keine Maschine und so sind lyrische und tontechnische Ausfälle im Beyoncé- Stil wie „This Bed“ oder das tatsächliche Duett mit der R’n’B- Queen „Put it in a Love Song“ absolut zulässige Gründe, die Skip- Taste zu betätigen. Insgesamt ist ein unübersehbarer Popfaktor vorhanden und die chartsheischende Tendenz, die sich mit der Jay-Z-Kollaboration „Empire State of Mind“ bereits erfolgreich angebahnt hat, macht sich auch in anderen Songs des Albums breit.

Ebenfalls fragwürdig ist der Titel, lässt er doch ungewohnte textliche Themengebiete erahnen, obwohl es, wie auch auf den vorherigen Platten, doch wieder „nur“ um Liebe geht. Diese wird zwar auf hübsche Weise von verschiedenen, meist eher deprimierenden Seiten beleuchtet, das angekündigte große Element der Freiheit kommt aber nicht wirklich zum Zuge oder aber ist für überdurchschnittlich scharfsinnige und sensible Geister geschaffen und kann nur von ebendiesen erkannt werden.

Dies ist eine schöne Liedersammlung, vielleicht ein kleines bisschen erwachsener und düsterer, als man Alicia Keys bisher kannte, für Liebhaber aber eindeutig unumgänglich.

Zum Reinhören: „Distance and Time“, „Try Sleeping with a Broken Heart”.

Sonntag, 6. Dezember 2009

New Moon- Vampire auf der Durststrecke



Schummrige Lichtungen, wehleidige Blicke, gehauchte Liebesgeständnisse, dazu ein bisschen blutarme Action und dramatische Musik: Während dieses Rezept beim ersten Teil der Sülzbuchreihe „Twilight“ ganz gut funktionierte und eine nette Schmonzette für Heranwachsende herauskam, wird es beim Nachfolger „New Moon“ bis zur absoluten Würdelosigkeit ausgewalzt.

Dass ein anständiger Spannungsbogen oder gar adäquate Dialoge keine Kritikpunkte sind und die Sinnfreiheit weit größere Ausmaße annehmen muss, um solch ein vernichtendes Urteil zu ernten, ist selbstverständlich. Die Story ist schnell erzählt: Eremitin Bella ist noch immer unsterblich in Vampir Edward verliebt, welcher sich jedoch bereits in den ersten 30 Minuten des Films aus dem Staub macht, rein zu ihrem Schutz versteht sich, was wiederum Werwolf Jacob auf den Plan ruft, der sich nun seinerseits des verwirrten Mädchens annimmt. Keine Frage, dass Edward irgendwann wieder auftaucht, wodurch wir es, wie der universitär geschulte Verstand sofort bemerkt, mit einer klassischen Dreiecksgeschichte zu tun haben.

Ob Edward in Zeitlupe und natürlich latent glitzernd vor seinem Volvo aufmarschiert, Jacob aus unerfindlichen Gründen sein T-Shirt über den Kopf zieht, um seinen steroidgefütterten Astralkörper zu präsentieren oder Bella mit ihrem Liebsten händchenhaltend in einer Art Heidi-und-Peter-Szene durch den morgendlichen Wald springt: Die absurden Szenen nehmen kein Ende, eine Tatsache, die auch seufzende Halbwüchsige nicht ganz übersehen können.

Hinzu kommt, dass nicht nur Details, sondern wesentliche Handlungselemente ohne Kenntnis der Buchvorlage schwer begreiflich sind. Könnte die Kenntnis der Hauptpersonen aus Teil 1 vielleicht noch vorausgesetzt werden, kommen doch rund um die zahlreichen Nebencharaktere erhebliche Verständnisprobleme auf.

Dies alles wäre extrem zermürbend, ja geradezu unerträglich, wäre da nicht der Werwolf alias Taylor Lautner, ironischerweise der einzige, der auf gewisse Weise menschlich wirkt. Auch bei Regen läuft dieser ansehnliche 17-Jährige fast hüllenlos durch die Wälder, weckt Gefühle leicht pädophiler Art und strahlt dabei eine Lässigkeit aus, an der es dem hühnerbrüstigen Vampir Robert Pattinson mit seiner weißgetünchten Leidensmiene völlig mangelt.

Ein weiterer Pluspunkt des Films ist der düstere, aber durchaus abwechslungsreiche Soundtrack, der Alternative-Größen wie Muse, die Editors oder Death Cab for Cutie mit unbekannteren Künstlern vereint.

Genügend Gründe also, trotz allem auf Teil 3 zu warten, der schon in einem halben Jahr in die Kinos kommen soll.

 

Montag, 5. Oktober 2009

Eigenliebe und Einfallsreichtum - Deutschland hat Stil im Blut

Für den Durchschnittsgöttinger, bekleidet mit Northface- Jacke und pyjamaähnlicher Hose, muss es eine unvorstellbare Sache sein, dass fast täglich mit übergroßem Objektiv auf Kleidungsstücke zielen oder gar vor ihren Ganzkörperspiegel treten, um die modische Kombination des Tages abzulichten. Diese findet sich meist wenige Stunden später im Internet und wartet auf Kommentare. Böse Zungen behaupten, dass hübsche Mädchen oder jene, die sich dafür halten, so auf günstigem Wege ihr Ego polieren. Wer sich jedoch einmal testweise im Bloggen versucht hat, weiß, dass mittelmäßiger Narzissmus nicht genug der Motivation ist, um länger als ein paar Tage bei der Sache zu bleiben. Trotzdem sprießen Modeblogs oder sogenannte Stylediaries derzeitig quasi aus dem Boden. Nachdem auch deutsche Blogger wie Les Mads oder Styleclicker es ins Publikum internationaler Modenschauen geschafft haben, gibt es kein Halten mehr. Exponentiell zur Anzahl der Blogs steigt schließlich auch die der Leser. 

„Ich denke, dass Modeblogs immer mehr Einfluß auf das Modegefühl gewinnen, als zum Beispiel Magazine. In Blogs sieht man „reale“ Personen und keine durch Photoshop präparierten, makellosen Models. Ich glaube, dadurch wird Mode schlicht „greifbarer“.“, meint Bloggerin Vio aus Duisburg. Sie versucht, wie inzwischen viele Bloggerinnen, nicht primär Informationen über aktuelle Kollektionen wiederzugeben, sondern fernab der Laufstege zu zeigen, was ihr gefällt und sie inspiriert: “Ich  möchte durch meine Beiträge und auch Outfits zeigen, dass man nicht einfach stumpf jedem Trend nachlaufen sollte, sondern lieber seinen eigenen Stil definiert und stärkt.“  Vorwürfe zur übermäßigen Selbstdarstellung sieht sie gelassen. Auch Bloggette Anna lacht: „Oh Gott, eigentlich hab ich gar nicht das Gefühl, meine Person übermäßig zu produzieren. Es gibt schon so einige Kollegen, die es immer mal wieder übertreiben. Jedoch find ich das auch nicht schlimm, wenn man es auf einer witzigen, künstlerischen, interessanten Ebene basiert.“ Vanessa, die ihrem Blog „Pandafuck“ nach über 600.000 Klicks eine neue Seite gönnte, fügt hinzu: „Man macht es sich eindeutig zu leicht, wenn man das auf alle Blogger überträgt und sich nicht auch selbst an die Nase fasst. Ob ich mich jetzt bei Facebook, Studivz oder über einen Blog profiliere, das macht nur insofern einen Unterschied, als dass die Anzahl der Leser vielleicht variiert.“

Man mag das in Anbetracht der Tatsache, dass diese Mädchen sich und ihr Gesicht unaufgefordert und unentgeltlich der Welt präsentieren, unreflektiert finden oder auch blauäugig. Gerade Menschen, die sich an der Supermarktkasse über die Socken-in-Sandalen des Vordermanns aufregen, sollten aber das Potential bedenken, welches hier gar nicht so versteckt liegt.


Dass Deutschland nicht gerade als Trendschmiede gilt, ist leider bekannt. Die Universalstadt der Hipness Berlin hat aber gezeigt, dass das nicht so bleiben muss. Das findet auch Anna:Berlin eine sehr coole Stadt und definitiv einzigartig. Ich denke jedoch, dass da so Einiges mehr gehen wird in Zukunft. Das war erst der Anfang. Deutschland hat auf jeden Fall ne Menge Style im Blut, aber irgendwie kommen wir nicht ausm Potte.“ Vielleicht haben bald mehr junge Deutsche den Mut und auch das Interesse daran, ihre Fleecejacke im Schrank zu lassen und sich modisch ein bisschen was trauen, ganz unverkrampft und jenseits des Internet. Denn, wie Bloggerin Sarah sagt: „Es gibt da schließlich noch ein richtiges, spannenderes Leben, abseits von meinem Computer.